Neue Rezension des Albums „Continuation“ von Progwereld

Von Zeit zu Zeit stelle ich fest, dass ich geschlafen habe und deshalb eine Band bzw. ein Musiker komplett unterhalb des Radars geblieben ist. Genau das ist mir mit Shamall passiert.

Shamall ist das Projekt des Deutschen Norbert Krüler, das seit nunmehr 30 Jahren aktiv ist und in dieser Zeit 15 unterschiedliche Studioalben veröffentlicht hat. Seine neueste Veröffentlichung trägt den Titel „Continuation“. Dieses Album ist auch Bestandteil seiner ebenfalls aktuellen Zusammenstellung „History Book“, welche 4 weitere Alben beinhaltet, die einen Überblick über das 30-jährige musikalische Schaffen des Künstlers bietet.

Krüler ist Multiinstrumentalist und macht eine ganze Menge selbst, inklusive der Produktion, aber er arbeitet auch häufig mit Gastmusikern wie Matthias Mehrtens (Gitarre). Das ist auch auf „Continuation“ der Fall, zusätzlich ist hier auch eine Sängerin mit dabei (Anke Ulrich) und dennoch sind weite Teile dieser CD ausschließlich instrumental. „Continuation“ beinhaltet auf 79 Minuten überwiegend Kompositionen, die auf der vorherigen Veröffentlichung „Turn Off“ aus Platzgründen nicht mehr untergebracht werden konnten.

Aber genauso wie „Turn Off“ ist „Continuation“ eine Anklage gegen Atomkraft, wobei die Katastrophe in Fukushima die Hauptquelle der Inspiration bildet. „Oh mein Gott“ werden viele Progleser denken, was soll ich mir darunter vorstellen? Soll das etwa die (wenig) musikalische Umsetzung des „Atomkraft – nein danke“-Ereignisses sein? Ich versichere Euch, dass das nicht der Fall ist. Natürlich ist es gerechtfertigt, diese Message zum Anlass zu nehmen, um gegen die Atomkraft weltweit Anklage zu erheben. Hier werden jedoch zu keinem Zeitpunkt die Musikalität und die Qualität der Kompositionen der Message untergeordnet.

Tatsächlich hatte ich in der Vergangenheit nur sehr selten ein derart sozial engagiertes Album in den Händen, welches auf solchen großartigen Kompositionen basiert.

Laut wikipedia ist der musikalische Stil von Shamall als eine Mischung von Pink Floyd mit Alan Parsons zu charakterisieren. Beim Hören des Albums „Continuation“ kamen mir vor allem folgende Namen in den Sinn: in der Tat David Gilmour (Random Walker), Lee Abraham (Fragments pt. IV), Enigma (Linolenic Acid), Peter Baumann’s frühe Solowerke und sogar Manfred Mann (Floating Subatomic Particles und Solitary Life). Äußerst variantenreich zu einem eigenen Stil verschmolzen, lässt die Musik von Shamall den Hörer volle 79 Minuten auf einer Welle von atmosphärischen Soundtrips davondriften, ohne dabei Gefahr zu laufen, auf diesem Trip zu irgendeinem Zeitpunkt unterbrochen zu werden.

Das Ganze ist „made in Germany“ at it’s best: wunderbare Räumlichkeit, ausgewogene Balance und Definition in vollendeter Harmonie, kurzum: ein wahrer Genuss für die Ohren. Ein Muss für Elektro-Prog-Fans mit Verbindung zu Tangerine Dream, Loom, Ashra und F.D. Project.

c/o Clemens Leunisse, Progwereld 2016

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„Würde alles so wieder machen“ – Interview mit dem Weser Kurier vom 15.10.2016

Interview Weser Kurier vom 15.10.2016 - "Würde alles wieder so machen"

Schöpferisches Zentrum: Norbert Krüler, Kopf der Band Shamall, in seinem Studio in Etelsen. © FOCKE STRANGMANN

© FOCKE STRANGMANN

Band Shamall um den Musiker und Produzenten Norbert Krüler besteht seit 30 Jahren / Stets weiterentwickelt
„Würde alles wieder so machen“
von Marius Merle 15.10.2016

Langwedel-Etelsen. Von null auf hundert, so lässt sich der Start der Band Shamall vor 30 Jahren beschreiben. 1986 ging es direkt in die Top Zehn der deutschen Charts. Führender Kopf damals: Norbert Krüler. Und der seit 1994 im Langwedeler Ortsteil Etelsen lebende Musiker hat die Band auch danach lange Zeit als Einzelkämpfer am Leben gehalten. Mehr als ein Dutzend Tonträger veröffentlichte er, wobei der musikalische Stil wiederholt einen Entwicklungsprozess durchmachte. Nun feiert Shamall ihr 30-jähriges Bestehen. Ein runder Geburtstag, von dem während der Anfänge noch alles andere als auszugehen war.

Krüler, der bereits in jungen Jahren in der nordrhein-westfälischen Heimat auch auf größeren Bühnen Gitarre spielte, begann ab Mitte der 1970er Jahre als DJ im Bremer Aladin zu arbeiten. „Damals die wohl größte Rock-Disco mit später einer der größten Laser-Anlagen in Europa“, hebt er den damals überregionalen Stellenwert der Diskothek hervor. Legte er zunächst jahrelang nur die Stücke anderer Musiker auf, begann er irgendwann auch selbst damit, zu produzieren. So komponierte er zu den Laser-Shows eine, laut eigenen Angaben, „ganz spezielle, effektvoll treibende und pulsierende Musik“, die sehr gut ankam und die dazu führte, dass „ich kurz darauf eine Schallplattenfirma im Laden stehen hatte“. Und dann sei alles auch recht schnell gegangen.

Aus dem Nichts in die Top 10

Zusammen mit zwei weiteren Musikern produzierte Krüler unter dem Namen Shamall 1986 die erste Single „My Dream“. Doch zunächst galt es allerdings noch ein Problem zu lösen. „Die Plattenfirma wollte Titel mit Gesang, von uns wollte aber niemand singen. Also haben wir Streichhölzer gezogen und die Wahl fiel dadurch letztlich auf mich“, erinnert sich Krüler zurück. Ebenso wie die zweite Single „Feeling like a stranger“ gelang eine gute Chartplatzierung. Alleine „My Dream“ wurde laut dem 58-Jährigen weltweit mehrere Hunderttausend Mal verkauft. Und obwohl die Musik von Shamall durch die Decke ging, finanziell sei der Gruppe damals durch Pech mit Verträgen laut Krüler „nichts über geblieben“. Die Musiksequenz wurde zudem, wie er erst viele Jahre später erfahren sollte, für ein Konsolenspiel verwendet, das sich mehrere Millionen Male verkaufte. „Da hat sich einfach jemand anderes als Komponist ausgegeben“, sagt Krüler. Auch davon habe er also finanziell nichts gehabt.

Neben diesem Kummer, dass der Erfolg nicht das eigentlich damit einhergehende Geld brachte, hatte Krüler aber noch andere Bedenken. „Nach dem zweiten Hit war man hart an der Grenze, einen Stempel als Disco-Projekt zu bekommen“, erklärt er, wieso er keine Lust hatte, diesen Weg der damals massenkompatiblen Musik weiter zu gehen. Er entschloss sich, neue Wege zu gehen – wieder ohne Gesang und alleine, denn seine beiden anfänglichen Mitstreiter hatten Shamall inzwischen verlassen. „Dann habe ich Musik gemacht, auf die ich Lust hatte und die ich im Aladin gleich testen konnte, wie sie ankommt“, nennt Krüler die damaligen Vorzüge dieses Jobs. Für seine erste CD mit dem Titel „Journey to a Nightmare“ habe er zunächst keine Plattenfirma gefunden, sie dann aber 1989 über eine Independent-Firma veröffentlichen können. Musikalisch ließ sich dieses Album im Bereich Elektronik mit klassischen, psychedelischen und krautrockigen Elementen einordnen, wie es Krüler beschreibt.

Bereits ein Jahr später erschien das Folgealbum „Moments of Illusion“, das laut dem Etelser erfolgreichste Shamall-Album der Elektronik-Ära. Der darauf enthaltene Song „Physical Visions“ wurde sogar für einige internationale TV-Werbespots verwendet, etwa von der Telekom. Es folgten fünf weitere Alben im Stile elektronischer Musik – inzwischen auch ohne Plattenfirma selbst produziert –, bis Krüler das Gefühl gehabt habe, dass diese Zeit vorbei sei und ein Wandel her müsse. Die erste CD „The Book: Genesis“, dessen musikalische Basis nun mehr Gitarre und Gesang bildeten, erschien 2001. Danach kam mit Matthias Mehrtens ein weiterer Gitarrist zu der Band, wodurch es endgültig zum Umschwung zum Genre Neo-Progressive Rock kam, was auf der 2003 veröffentlichten CD „Who do they think they are“ – ein Konzeptalbum über den Golfkrieg – zum Ausdruck kam. Insgesamt habe Krüler mit seinen Texten stets kritische Themen aufgegriffen.

Bis heute setzte Shamall diesen musikalischen Weg weiter fort, in regelmäßigen Abständen wurden CDs auf den Markt gebracht, die laut Krüler dazu geführt haben, dass sich die Band einen festen Platz in diesem Bereich der Musikbranche mit weltweit vielen Fans sichern konnte. „Russland, Japan, Amerika, Kanada“, nennt er nur einige Länder, in denen die Alben stets guten Absatz finden – so auch die zum 30-jährigen Bestehen auf den Markt gekommene Fünf-CD-Box mit Liedern aus den drei Jahrzehnten. Inzwischen gibt es mit Anke Ullrich auch eine Sängerin bei Shamall.

Aber was bedeutet eigentlich der Bandname? Er ist abgeleitet vom Wüstenwind Schamal. „Der Name klingt gut und ist zeitlos“, begründet Krüler, der gerne auf die bisherigen 30 Bandjahre zurückblickt. „Ich würde alles wieder so machen“, betont er. Man müsse auch Fehler machen und daraus lernen und spielt damit vor allem auf die kommerziell erfolgreiche Anfangszeit an, aus der man selbst kaum finanziellen Profit schlagen konnte. „Aber ich denke, wenn damals alles glatt gelaufen wäre, würde es Shamall heute gar nicht mehr geben“, sagt der 58-Jährige, der es einfach schön finde, in seinem Alter immer noch in diesem Job arbeiten zu können. „Wobei mir natürlich auch klar ist, dass ich Musik für eine sterbende Generation mache“, fügt Krüler an. Aber dennoch, der musikalische Weg von Shamall sei auch nach drei Jahrzehnten noch nicht am Ende.

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„Gut Ding will Weile haben“ – Interview mit dem Produzenten und Musiker Norbert Krüler von Shamall

30 Jahre Shamall - ein Bericht des Aller Weser Verlags

LANGWEDEL › „Gut Ding will Weile haben“, sagt Norbert Krüler und lehnt sich zurück. Ein Motto, das der international bekannte Musiker aus Langwedel offenbar seit 30 Jahren beherzigt hat, um mit „Shamall“ drei Jahrzehnte am heiß umkämpften und schnelllebigen Musikmarkt überleben zu können.

Red.: „Es gab in den vergangenen 30 Jahren eine rasante technische Entwicklung in der Musik-Produktion. Wurde es damit für Dich immer leichter?“

Norbert Krüler: „Als ich vor 30 Jahren angefangen habe, da war es viel einfacher.“

Red.: „Warum?“

Norbert Krüler: „Weil ich weniger hatte. Je weniger man hat, desto mehr musst du deinen Kopf anstrengen. Früher hatte ich einen Klang im Kopf, den gab es noch gar nicht. Also musste ich mir mehrere Klangerzeuger zusammenlegen, um innerhalb von mehreren Tagen genau diesen Klang zu erzeugen.
Heute stelle ich einen Kasten an und drücke auf eine Taste. Dann sind da so viele Klänge, die das Ganze überlagern, dass ich gar nicht mehr weiß, was ich abstellen muss, damit ich das bekomme, was ich haben will.“

Red.: „Also bist Du im Studio mehr am Abstellen?“

Norbert Krüler: „Ja ich bin mehr am Abstellen als am Anstellen. Ich möchte doch auch noch für andere Instrumente Luft lassen. Ich finde es eher störend, das alles so voll ist.“

Red.: „Als was siehst Du Dich? Was machst du für Musik? Ist das Neo-Prog-Rock mit einem Hauch von Space-Rock?“

Norbert Krüler: „Die Musikzeitschriften brauchen immer irgendwelche Schubladen, in die sie dich für die Leser reinstecken können, um das ihren Lesern ungehört näher bringen zu können. Mein größtes Vorbild ist und bleibt  Pink Floyd. In diese Richtung werde ich immer mit einer eigenen Note arbeiten. Als Basis ist das eine gute Sache. Da es die Band so nicht mehr gibt ist es auch kein Verbrechen, ihre Musik in modernerer Form weiterleben zu lassen.“

Red.: „Welche Wege nutzt Du, damit Deine Musik bekannter wird?“

Norbert Krüler: „Progressive Musik hat einen besonderen Fankreis. Diese Leute würden nie Musik runterladen. Sie wollen Musik besitzen. Sie wird gesammelt.
Du musst nur in den interessanten Foren, in den sozialen Netzwerken, etwas streuen, dann geht das seinen Weg – wenn die Platte gut ist. Es liegt daran, wie man sein Produkt abliefert.
Shamall hat das Glück, nach 30 Jahren bekannter zu sein. Rückwirkend betrachtet waren es gute Entscheidungen, mehrere Male meinen Stil geändert zu haben.“

Red.: „Für wen machst Du Musik?“

Norbert Krüler: „In erster Linie für mich. Wenn ich Musik mache, dann denke ich nicht einen Moment an Geld. Du kannst keinen kreativen Output haben, wenn du dich selbst unter Druck setzt. Andersherum kannst du erwarten, dass deine Musik besser wird, wenn du dich von diesen Zwängen frei machst; dich weniger mit irgendwelchen Sachen auseinandersetzt und einfach nur um das Musik-machen kümmerst. Wenn ich beim Hören eine Gänsehaut bekomme, dann habe ich alles richtig gemacht.
Es gibt Tage, an denen ich aus dem Studio komme und mit einer Gänsehaut ins Bett gehe und welche, an denen ich genervt bin. Aber ich weiß, es kommt wieder der Tag, an dem werde ich einen Gänsehauttag haben.
Das ist die Intention, mit der ich das mache. 90 Prozent von denen, die Shamall hören, die hören das Gesamtwerk und denen geht es darum, ob es authentisch ist. “

Red.: „Hast Du schon einmal überlegt, alte Titel völlig neu aufzunehmen?“

Norbert Krüler: „Nein, denn wenn sie auf einem anderen technischen Niveau sind, dann haben sie ihren Charme nicht mehr. Man darf nicht vergessen, dass die Fans mit den Titeln Erinnerungen verbinden. Sie sind mit dem Original verwachsen. Ich würde den Leuten etwas wegnehmen, anstatt ihnen etwas zu geben. Sie spiegeln ihre Zeit wider.“

Red.: „Zum 30-jährigen Bestehen von Shamall ist Mitte des Jahres die Box „History Book“ mit insgesamt fünf CDs erschienen. Musstest Du die alten Stücke ein wenig aufbereiten?“

Norbert Krüler: „Das ist richtig. Beim Remastern bin ich subtil vorgegangen, um den Zeitgeist nicht zu zerstören. Ich habe mich auf die klangmäßige Gleichförmigkeit konzentriert. Die unterschiedlichen Alben waren ja unterschiedlich laut aufgenommen worden. Bei einer ,Collection’ wäre das für den Hörer fatal. Er müsste ja ständig die Lautstärke neu einstellen.“

Red.: „In den 30 Jahren sind insgesamt 18 Alben erschienen. Wie viel Zeit darf aus Deiner Sicht zwischen den Veröffentlichungen vergehen?“

Norbert Krüler: „Ein Album muss sich entwickeln. Wenn man jedes Jahr eine Platte macht, dann heißt es schnell, das sei zu kommerziell, das sei Fließband-arbeit. Der Abstand darf aber auch nicht zu groß sein, damit man nicht vergessen wird. Ich glaube, ich habe bisher alles richtig gemacht.
Die Box habe ich als Dankeschön für die Treue meiner Fans herausgebracht. Die fünfte CD ,Continuation’ besteht aus neuen Stücken kombiniert mit unveröffentlichtem Material des 2013 erschienenen Albums ,Turn off’.“ Die „Continuation“ kann man auch als einzelne CD kaufen.

Red.: „Warum?“

Norbert Krüler: „Ich habe auf den Wunsch einiger Fans reagiert. Sie hatten mir geschrieben, dass sie ja schon alle anderen Alben hätten und nur die ,Continuation’ fehlen würde. Deswegen gibt es sie auch als Einzel-CD.“

Red.: „Wann kommt ein neues Shamall-Album auf den Markt?“

Norbert Krüler: „Die nächste CD ist Ende des nächsten Jahres geplant. Denn nach der CD ist eben immer vor der CD und gut Ding will eben Weile haben.“

c/o Aller-Weser-Verlag, 09.10.2016

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Special zu „30 Jahre Shamall“ – Wenn sich Klänge ihren Weg bahnen

LANGWEDEL › Es sind Melodien und Klänge, die ihren Weg finden. Beim Musiker und Produzenten Norbert Krüler beginnt die Arbeit meist mit einem bestimmten Ton im Kopf. Seine Umsetzung mündet in Klangbildern, die schließlich Baustein für Baustein zu einem Shamall-Album heranwachsen. Denn Norbert Krüler ist Shamall. Und das seit 30 Jahren. 18 Alben sind im Studio des Langwedelers entstanden. Das jüngste ist das „History Book“, das nicht nur einen musikalischen Querschnitt der vergangenen drei Jahrzehnte liefert, sondern mit der CD „Continuation“ auch eine Neuveröffentlichung enthält.

Über die musikalischen Anfänge Krülers steht sehr viel im Booklet der CD-Box. Darin offenbart der gebürtige Emsdettener auch eine Geschichte, in der ein Pfadfinder die Hauptrolle spielte. Der Mann zeigte dem 13-Jährigen damals die ersten Akkorde auf einer Gitarre, ging dann aber wenig pädagogisch wertvoll zu Werke, als er ihm bescheinigte, dass er das Instrument mit seinen „dicken Wurstfingern“ wohl nie spielen können würde. Klein Norbert übte daraufhin wie ein Irrer, die „Mundorgel“ rauf und runter und tunte schließlich seine Akustikgitarre. Er versuchte auf experimentelle Weise mit einem selbst gebauten Verstärker, den Lautsprechern alter Radios und seiner akustischen Klampfe ähnlich verzerrte und psychedelische Töne zu erzeugen, wie seine damaligen Helden – Jimi Hendrix, Pink Floyd und Led Zeppelin.

Mit 17 Jahren spielte er Cover-Songs. Zunächst in Kneipen und Jugendzentren, dann auf größeren Bühnen zusammen mit Eloy, Birthcontrol und Grobschnitt.
Doch mit dem eigenen Komponieren und Texten konnte das zu diesem Zeitpunkt ohne einen Plattenvertrag nichts werden. Daher zog es den jungen Mann als DJ in eine mittelgroße Krautrock-, Jazzrock-, Funk- und Psychedelic-Discothek im ländlichen Rheine/Mesum in Nordrhein-Westfalen. Schon ein Jahr später arbeitete er dann als Resident-DJ in der Aladin-Music-Hall in Bremen – der damals wohl größten Rock-Disco in Deutschland, der er auch mehr als 30 Jahre die Treue hielt.

Mitte der 80er-Jahre gehörte die Laseranlage in der dortigen Main-Hall zu den größten in ganz Europa. Für dieses seinerzeit unvergleichliche, sphärische Licht komponierte Norbert eine ganz spezielle Musik: Psychedelische Sequenzen und Arpeggios, eingebettet in weite modulierende Flächen mit Streichern, einzigartigen Effekten, die durch eine gefällige Rhythmussektion clubtauglich produziert wurden. Durch den überregional großen Einzugsbereich der Aladin-Music-Hall dauerte es nicht lange, bis eine Plattenfirma auf das Treiben des damaligen Bremers aufmerksam wurde.

Allerdings galt es – aus kommerziellen Gründen – radiotaugliche, kurze Titel mit Gesang zu liefern. Unter dem Pseudonym „Shamall“ produzierte er zusammen mit den Musikern Detlef Reder und Michael Jaspers im Jahr 1986 die Single „My Dream“, mit den weiteren Titeln „Caligula 2009“ und „Karin“. Nur ein Jahr danach kam die zweite Maxi-Single mit dem Titel „Feeling like a stranger“; ergänzt durch die Songs „Running against the time“ und „Love don’t exist“ heraus. Beide Veröffentlichungen kletterten die Musikcharts hinauf und „My Dream“ schaffte es sogar bis in die Top 10. Doch der Erfolg hatte auch eine Schattenseite –  „Shamall“ drohte, sich in ein nie gewolltes Disco-Projekt zu verwandeln. Unzufrieden mit der Aussicht, mit großer Wahrscheinlichkeit zukünftig in diesem Genre gefangen zu sein, beschloss Norbert Krüler, musikalisch neue Wege zu gehen.

1989 erschien das erste Instrumentalalbum „Journey to a Nightmare“ mit psychedelischen Elementen, atmosphärischen Klängen und symphonischer Elektronikmusik. Zwölf Jahre später war die Zeit reif für eine erneute Änderung seines Musikstils in Richtung Progressive-Rock. Gesang und Gitarre übernahmen im Jahre 2003 ab dem Konzept-Album um den Irak-Krieg „Who do they think they are“ eine tragende Rolle. Bis heute ist das so geblieben. Der Gitarrist Matthias Mehrtens gehört übrigens seit 1997 zur festen Shamall-Besetzung und sorgt dafür, das Melodien und Klänge ihren Weg finden.

c/o Aller-Weser-Verlag, 09.10.2016

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Rezension des kanadischen Magazins und Radiosenders „Profilprog“

Review des Albums "Continuation" von ProfilprogEs ist immer einfacher ein Review zu schreiben, wenn man schon vorherige Werke eines Künstlers kennt. So hatte ich schon in der Vergangenheit die beiden vorherigen Alben „Turn Off“ und „Is this human behavior“ von Norbert Krüler alias SHAMALL für „Progressive Area“ besprochen. Somit befinde ich mich – was diesen Künstler angeht – auch einigermassen „im Lande des Wissens.“
Warum heisst das neue Shamall Album eigentlich „Continuation“? – Ganz einfach, weil dieses neue Album Titel und Versionen enthält, die aus Platzgründen auf dem vorherigen Werk „Turn Off“ nicht veröffentlicht werden konnten. Schon der Vorgänger „Turn Off“ zeigt, wie mühelos und mit welcher Leichtigkeit Norbert komponiert. Doch zurück zu „Continuation“.

Die ersten drei Teile des Openers „Fragments“, die insgesamt fast 15 Minuten des Albums einnehmen, sind eindrucksvoll und voll prachtvoller Melodien. Das muss man neidlos anerkennen, zumal Deutschland in den letzten Jahrzehnten sowieso großartige atmosphärische Kompositionen hervorgebracht hat, sei es mit Tangerine Dream, Klaus Schulze oder auch vielen anderen Künstlern. Der folgende Titel „It’s been a long time“, der auch zu den längsten gehört, wird getragen von begleitenden Akustikgitarren und erweitert durch männliche und weibliche Chöre und trifft dann vollends auf das „Turn Off-“ Thema des gleichnamigen Albums aus dem Jahr 2013. Mit dem Highlight der von Matthias Mehrtens gespielten sehr lyrischen Gitarre, die Norbert Krülers Keyboardpassagen wunderschön untermalt. Ein sehr schönes melodisches Werk, das in der zweiten Hälfte gefühlvoll durch ein Saxophon getragen wird – wirklich einzigartig! Es folgen „Linolenic Acid“ und „Random Walker“. Beide Tracks werden durch lebendige, aber melodiöse Gitarrenriffs erfrischend angetrieben. Meiner Meinung nach gehören diese beiden Titel untrennbar zusammen, wobei der erste und auch längere mich gleich in seinen Bann gezogen hat. Ein hervorragendes Werk, das einfach aufzunehmen ist und sofort ins Ohr geht. Abgerundet wird diese Komposition durch den Track „Airborne“, der dieses Thema mit einer gefälligen Akustikgitarre abschließt. Es folgt „It’s time to grasp the mantle“. Auch hier ist es noch lange nicht an der Zeit, die CD aus dem Player zu nehmen, weil Shamall noch immer etwas zu sagen oder vielmehr zu schreiben hat.

Die meisten seiner Kompositionen gehen nahtlos ineinander über, wie das verschachtelte Einfügen von Bausteinen in einer Mauer. Man kann sagen, dass Norbert auf gewisse Weise zwar noch auf den Pfaden von seinem Jugendeinfluss Pink Floyd wandelt, sich aber mittlerweile eine nicht zu verkennende Eigenständigkeit erarbeitet hat.

„Fragments part IV“ ist progressiv gesprochen wohl der komplexeste und packendste Teil des Albums, ist aber wohl gerade deshalb auch Geschmackssache. Die letzten vier Titel führen die generelle Stimmung dieses Albums fort: manchmal spacey, manchmal mehr progressiv mit meiner persönliche Meinung nach leichten Schwächen des Titels „Solitary Life“. Insgesamt wird die Stimmung zum Ende des Albums ruhiger. Dieses Album wird die Fans des Künstlers bestimmt erfreuen. Es ist eine schöne „Fortführung“ für diejenigen, die bereits das Opus „Turn Off“ besitzen. Bevor ich nun schließe, möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass ich mich freuen würde, die Stimme der Sängerin Anke Ullrich auch auf zukünftigen Veröffentlichungen zu hören.

Bewertung: 8/10

 

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Rezension zur Jubiläums-Box History Book – „…eine eigene Nische zwischen Prog, Space-Rock und Elektronik…“

„…Norbert Krüler alias Shamall hat sich in knapp drei Jahrzehnten seine eigene Nische zwischen Prog, Space-Rock und Elektronik geschaffen.

Zeit für eine große Werkschau. Artwork und Aufmachung der 5CD-Box sind vorbildlich, denn jede der CDs hat ihr eigenes spacig-meditatives Cover. Im Booklet kann man zudem die musikalische Reise Krülers verfolgen, der sich vom Fan autodidaktisch zum Ein-Mann-Abenteurer im spacigen Prog durchgekämpft hat. Jede CD deckt zwei bis vier Originalalben ab. Die Entwicklung von Shamall lässt sich so gut nachvollziehen.

Von noch stark von den Spätachzigern beeinflussten Sounds aus der Enigma-Passage über ratternd-wuchtige Elektronik mit stark hymnenartigem Charakter bis hin zum stärker floydigen Sound, den man zuletzt von ihm kennt. Nicht alles überzeugt bis zum heutigen Tag, doch ist „History Book“ dennoch eine lohnende Sternenfahrt.

CD 5 bringt dann noch neues Material, das vom letzten Studioalbum „Turn Off“ übrig geblieben war – auch als Einzel-CD unter dem Titel „Continuation“ erhältlich (eine gute Kaufentscheidung). Der Spagat zwischen sphärischen Passagen und mächtig treibenden Gitarren- und Synthie-Soli gerät hier (ähnlich wie bei Maxxess) besonders gut. Auch Oldfield-haftes schleicht sich ein und bereichert diesen immens dynamischen Kosmos….“Review "History Book" - Eclipsed 10/16

c/o Walter Sehrer, Eclipsed 10/16

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