Special zu „30 Jahre Shamall“ – Wenn sich Klänge ihren Weg bahnen

LANGWEDEL › Es sind Melodien und Klänge, die ihren Weg finden. Beim Musiker und Produzenten Norbert Krüler beginnt die Arbeit meist mit einem bestimmten Ton im Kopf. Seine Umsetzung mündet in Klangbildern, die schließlich Baustein für Baustein zu einem Shamall-Album heranwachsen. Denn Norbert Krüler ist Shamall. Und das seit 30 Jahren. 18 Alben sind im Studio des Langwedelers entstanden. Das jüngste ist das „History Book“, das nicht nur einen musikalischen Querschnitt der vergangenen drei Jahrzehnte liefert, sondern mit der CD „Continuation“ auch eine Neuveröffentlichung enthält.

Über die musikalischen Anfänge Krülers steht sehr viel im Booklet der CD-Box. Darin offenbart der gebürtige Emsdettener auch eine Geschichte, in der ein Pfadfinder die Hauptrolle spielte. Der Mann zeigte dem 13-Jährigen damals die ersten Akkorde auf einer Gitarre, ging dann aber wenig pädagogisch wertvoll zu Werke, als er ihm bescheinigte, dass er das Instrument mit seinen „dicken Wurstfingern“ wohl nie spielen können würde. Klein Norbert übte daraufhin wie ein Irrer, die „Mundorgel“ rauf und runter und tunte schließlich seine Akustikgitarre. Er versuchte auf experimentelle Weise mit einem selbst gebauten Verstärker, den Lautsprechern alter Radios und seiner akustischen Klampfe ähnlich verzerrte und psychedelische Töne zu erzeugen, wie seine damaligen Helden – Jimi Hendrix, Pink Floyd und Led Zeppelin.

Mit 17 Jahren spielte er Cover-Songs. Zunächst in Kneipen und Jugendzentren, dann auf größeren Bühnen zusammen mit Eloy, Birthcontrol und Grobschnitt.
Doch mit dem eigenen Komponieren und Texten konnte das zu diesem Zeitpunkt ohne einen Plattenvertrag nichts werden. Daher zog es den jungen Mann als DJ in eine mittelgroße Krautrock-, Jazzrock-, Funk- und Psychedelic-Discothek im ländlichen Rheine/Mesum in Nordrhein-Westfalen. Schon ein Jahr später arbeitete er dann als Resident-DJ in der Aladin-Music-Hall in Bremen – der damals wohl größten Rock-Disco in Deutschland, der er auch mehr als 30 Jahre die Treue hielt.

Mitte der 80er-Jahre gehörte die Laseranlage in der dortigen Main-Hall zu den größten in ganz Europa. Für dieses seinerzeit unvergleichliche, sphärische Licht komponierte Norbert eine ganz spezielle Musik: Psychedelische Sequenzen und Arpeggios, eingebettet in weite modulierende Flächen mit Streichern, einzigartigen Effekten, die durch eine gefällige Rhythmussektion clubtauglich produziert wurden. Durch den überregional großen Einzugsbereich der Aladin-Music-Hall dauerte es nicht lange, bis eine Plattenfirma auf das Treiben des damaligen Bremers aufmerksam wurde.

Allerdings galt es – aus kommerziellen Gründen – radiotaugliche, kurze Titel mit Gesang zu liefern. Unter dem Pseudonym „Shamall“ produzierte er zusammen mit den Musikern Detlef Reder und Michael Jaspers im Jahr 1986 die Single „My Dream“, mit den weiteren Titeln „Caligula 2009“ und „Karin“. Nur ein Jahr danach kam die zweite Maxi-Single mit dem Titel „Feeling like a stranger“; ergänzt durch die Songs „Running against the time“ und „Love don’t exist“ heraus. Beide Veröffentlichungen kletterten die Musikcharts hinauf und „My Dream“ schaffte es sogar bis in die Top 10. Doch der Erfolg hatte auch eine Schattenseite –  „Shamall“ drohte, sich in ein nie gewolltes Disco-Projekt zu verwandeln. Unzufrieden mit der Aussicht, mit großer Wahrscheinlichkeit zukünftig in diesem Genre gefangen zu sein, beschloss Norbert Krüler, musikalisch neue Wege zu gehen.

1989 erschien das erste Instrumentalalbum „Journey to a Nightmare“ mit psychedelischen Elementen, atmosphärischen Klängen und symphonischer Elektronikmusik. Zwölf Jahre später war die Zeit reif für eine erneute Änderung seines Musikstils in Richtung Progressive-Rock. Gesang und Gitarre übernahmen im Jahre 2003 ab dem Konzept-Album um den Irak-Krieg „Who do they think they are“ eine tragende Rolle. Bis heute ist das so geblieben. Der Gitarrist Matthias Mehrtens gehört übrigens seit 1997 zur festen Shamall-Besetzung und sorgt dafür, das Melodien und Klänge ihren Weg finden.

c/o Aller-Weser-Verlag, 09.10.2016

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