Neue Rezension des Albums „Continuation“ von Progwereld

Von Zeit zu Zeit stelle ich fest, dass ich geschlafen habe und deshalb eine Band bzw. ein Musiker komplett unterhalb des Radars geblieben ist. Genau das ist mir mit Shamall passiert.

Shamall ist das Projekt des Deutschen Norbert Krüler, das seit nunmehr 30 Jahren aktiv ist und in dieser Zeit 15 unterschiedliche Studioalben veröffentlicht hat. Seine neueste Veröffentlichung trägt den Titel „Continuation“. Dieses Album ist auch Bestandteil seiner ebenfalls aktuellen Zusammenstellung „History Book“, welche 4 weitere Alben beinhaltet, die einen Überblick über das 30-jährige musikalische Schaffen des Künstlers bietet.

Krüler ist Multiinstrumentalist und macht eine ganze Menge selbst, inklusive der Produktion, aber er arbeitet auch häufig mit Gastmusikern wie Matthias Mehrtens (Gitarre). Das ist auch auf „Continuation“ der Fall, zusätzlich ist hier auch eine Sängerin mit dabei (Anke Ulrich) und dennoch sind weite Teile dieser CD ausschließlich instrumental. „Continuation“ beinhaltet auf 79 Minuten überwiegend Kompositionen, die auf der vorherigen Veröffentlichung „Turn Off“ aus Platzgründen nicht mehr untergebracht werden konnten.

Aber genauso wie „Turn Off“ ist „Continuation“ eine Anklage gegen Atomkraft, wobei die Katastrophe in Fukushima die Hauptquelle der Inspiration bildet. „Oh mein Gott“ werden viele Progleser denken, was soll ich mir darunter vorstellen? Soll das etwa die (wenig) musikalische Umsetzung des „Atomkraft – nein danke“-Ereignisses sein? Ich versichere Euch, dass das nicht der Fall ist. Natürlich ist es gerechtfertigt, diese Message zum Anlass zu nehmen, um gegen die Atomkraft weltweit Anklage zu erheben. Hier werden jedoch zu keinem Zeitpunkt die Musikalität und die Qualität der Kompositionen der Message untergeordnet.

Tatsächlich hatte ich in der Vergangenheit nur sehr selten ein derart sozial engagiertes Album in den Händen, welches auf solchen großartigen Kompositionen basiert.

Laut wikipedia ist der musikalische Stil von Shamall als eine Mischung von Pink Floyd mit Alan Parsons zu charakterisieren. Beim Hören des Albums „Continuation“ kamen mir vor allem folgende Namen in den Sinn: in der Tat David Gilmour (Random Walker), Lee Abraham (Fragments pt. IV), Enigma (Linolenic Acid), Peter Baumann’s frühe Solowerke und sogar Manfred Mann (Floating Subatomic Particles und Solitary Life). Äußerst variantenreich zu einem eigenen Stil verschmolzen, lässt die Musik von Shamall den Hörer volle 79 Minuten auf einer Welle von atmosphärischen Soundtrips davondriften, ohne dabei Gefahr zu laufen, auf diesem Trip zu irgendeinem Zeitpunkt unterbrochen zu werden.

Das Ganze ist „made in Germany“ at it’s best: wunderbare Räumlichkeit, ausgewogene Balance und Definition in vollendeter Harmonie, kurzum: ein wahrer Genuss für die Ohren. Ein Muss für Elektro-Prog-Fans mit Verbindung zu Tangerine Dream, Loom, Ashra und F.D. Project.

c/o Clemens Leunisse, Progwereld 2016

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